Gerd Mittag
„Die besten Ideen kommen immer beim Reisen oder in der Bewegung“
Schon mit 18 Jahren entdeckt Gerd Mittag seine Leidenschaft für den Middle Eastern Dance. Heute, fast 40 Jahre später, hat der Tanzpädagoge vieles erlebt und erreicht. Zuletzt seinen Masterabschluss in Berufspädagogik an der HFH. In unserem Interview gibt er Einblick in seine Arbeit.

Wenn es um seine Leidenschaft – das Tanzen – geht, ist Gerd Mittag besonders umtriebig. In den vergangenen 56 Jahren seines Lebens war er immer in künstlerischen Kontexten aktiv und beheimatet. Nachdem er in jungen Jahren zum passionierten Tänzer im Middle Eastern Dance wird, setzt er sich das Ziel, diese Tanzform neben klassischen Stilen wie Ballett und Modern Dance zu etablieren.
Seine Leidenschaft führt ihn in Länder wie Ägypten, Argentinien, China, Libanon, Russland, Tunesien, Türkei und zahlreiche europäische Länder. Dort unterrichtet er u.a. zahlreiche Workshops und Weiterbildungen. Er übt verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten aus, koordinierte ein Zertifikatsprogramm in Dance Science und entwickelt eine eigene Tanz-Kreation.
2003 gründet Gerd Mittag zudem seine eigene Tanzakademie, mit der er bis heute weltweit unterrichtet. Zusätzlich erlangt er zwei Masterabschlüsse in Dance Science, und nun auch noch den Master Berufspädagogik an der HFH · Hamburger Fern-Hochschule – mit Bestnote!
Doch obwohl er vielfältige Erfolge gefeiert, zahlreiche Ziele erreicht und einen großen Schatz an Erlebnissen gesammelt hat, ist für Gerd Mittag noch lange nicht Schluss: Seit Mai 2024 promoviert er im Fach Sportwissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Im Interview erzählt er uns, warum er das Ganze macht, und lässt uns teilhaben an seiner Leidenschaft und der Welt eines „Paradiesvogels“, wie er sich selbst bezeichnet.
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, unsere Fragen zu beantworten!
Und erst einmal herzlichen Glückwunsch! Ihre Masterarbeit wird in der Reihe BestMasters bei Springer Nature verlegt. Sie beschäftigen sich in der Arbeit mit „Kompetenzorientiertem Tanzunterricht“. Können Sie erklären, was das genau bedeutet?
Herzlichen Dank, ich bin ein bisschen stolz darauf!
Kompetenzorientierter Tanzunterricht unterscheidet sich im Grunde gar nicht von anderen kompetenzorientiert zu unterrichtenden Fächern. Letztlich geht es um Formen der Vermittlung, die dazu geeignet sind, die Kompetenzen der Lernenden zu fördern. Dabei ist der Inhalt der Unterrichtsstunde zweitrangig.
Entscheidend in meiner Masterarbeit war jedoch die Verlinkung von kompetenzorientiertem Unterricht zur Befriedigung basispsychologischer Bedürfnisse der Lernenden, denn Autonomie, Kompetenz und Vertrauen sind drei Säulen im Tanz, um unter anderem Kreativität aktivieren zu können und sie zu fördern.
(weitere Infos zum Inhalt der Masterarbeit gibt es unter diesem Interview)
In meinem Unterricht stelle ich immer wieder fest, dass durch die Ansprache von Autonomie, Kompetenzen und Verbundenheit bei den Lernenden, diese zu ungeahnten Persönlichkeiten heranreifen und ebenfalls ungeahnte Fähigkeiten an den Tag legen. Diese Erkenntnisse kombiniert mit dem Wissen aus der Dance Science habe ich dann in ein Dance Teacher’s Certificate – einem Train the Trainer Programm – zusammengefasst, das klar auf den pädagogischen Strukturen von jomdance basiert.
jomdance – das ist eine eigene Tanz-Kreation, die Sie vor dem Hintergrund vielfältiger künstlerischer und internationaler Einflüsse entwickelt haben. Können Sie uns etwas mehr dazu erzählen? Wie unterscheidet sich jomdance von traditionellen Tanzformen?
Meine Tanzwurzeln habe ich in den Middle Eastern Dances – kurz MED –, die landläufig und fälschlich meist als „Bauchtanz“ bezeichnet und zusammengefasst werden. Nach 15 Jahren Orientalischem Tanz (MED) absolvierte ich eine Tanztechnik-Ausbildung im Bereich Jazz Dance, Modern Dance und Contemporary Ballet. Daraus resultierte die Tanzform jomdance – jazz-oriental-modern-dance. So entstand eine bühnentaugliche Form der MED, die sich mit Grundlagen der Performance-Kunst, des Stage-Managements, der Beleuchtung, der Erstellung von Choreografien usw. immer mit Bezug zum Original – also dem ursprünglichen Orientalischen Tanz – beschäftigt.
Die intensive Verschränkung theoretischer und praktischer Kenntnisse begleitet Sie somit schon lange. Der Theorie-Praxis-Transfer ist ja auch ein oft beschworener Vorteil eines Fernstudiums. Inwieweit konnten Sie selbst in Ihrer Lehr- und Tanzpraxis davon profitieren?
Da ich als Tanzpädagoge stets meine neuen Erkenntnisse im Bereich Psychologie, Anatomie, Physiologie und Biomechanik – eben der Dance Science – in den Unterricht einfließen lasse, übernahm ich auch neu hinzugewonnene Informationen aus dem Studium der Berufspädagogik in den Unterricht. Die Befriedigung basispsychologischer Bedürfnisse dabei stets im Hinterkopf habend, lag die Herausforderung in der Umsetzung von Modellen und Konzepten zur kompetenzorientierten Unterrichtsgestaltung.
Als Tanzlehrer unterrichten Sie mit Ihrer mobilen Tanzakademie weltweit. Sie waren zudem ehrenamtlich im Gemeinnützigen Verein für Tanzmedizin e.V. tätig und publizieren zur Tanztheorie. Wie haben Sie es geschafft, Ihr Studium neben Ihren zahlreichen Aktivitäten in Beruf und Privatleben zu managen?
Nun könnte ich sagen: Wenn die 24 Stunden des Tages nicht langen, nehme ich einfach die Nacht dazu. Doch tatsächlich ist es eine Frage guter Organisation. Hierbei hilft ein gutes Zitierprogramm, das gleichzeitig speichern kann und eine Cloud anbietet, damit auch von unterwegs auf die Literatur zurückgegriffen werden kann – die besten Ideen kommen immer beim Reisen oder in der Bewegung. Mindmaps, Post-its, Brainstorming-Notizen und vor allem jedwede niedergeschriebenen Gedanken, wann immer sie in den Sinn kommen, halfen sie mir dabei, Zeit zu sparen und die geistige Arbeit zu strukturieren.
Ich habe zudem das Glück, einerseits ein schneller Schreiber zu sein und andererseits einen verständnisvollen Ehemann an meiner Seite zu haben, der mich zu diesen Studien förmlich drängte – wissend, dass ich nicht mein Leben lang auf der Bühne mein Geld verdienen können werde. Da ich selbst ein wissbegieriger Mensch bin, fiel mir die Entscheidung, diesen Weg zu gehen, nicht schwer. Im Tanz nennt sich diese Phase „Transition“ und meint damit den Prozess vom aktiven Bühnentanz hin zum Unterrichten oder einem anderen Beruf.
Was waren die größten Herausforderungen, die Sie während Ihres Fernstudiums meistern mussten?
Ich würde lügen, wenn ich nicht als erstes den Zeitfaktor nennen würde. Hier hat mir sehr geholfen, dass viele Kurse online angeboten wurden und – sollte mal keine Zeit für die direkte Teilnahme gewesen sein – es im Anschluss Aufzeichnungen der Kurse gab.
Des Weiteren muss ich kritisch anmerken, dass ich mir gewünscht hätte, ein paar der Dozierenden hätten selbst vorher das Studium der Berufspädagogik absolviert. Obwohl die Fachexpertise sicherlich gegeben war, haperte es hier und da an genau den Punkten, die im Studium als wichtige Bestandteile guten Unterrichts vermittelt wurden.
Nicht zuletzt gab es auch Phasen, in denen es mir schwerfiel, mich selbst zu motivieren. Diese „Löcher“ konnte ich gut überwinden durch die Wahrnehmung der positiven Ergebnisse der Lernenden in meinen Kursen, die sich durch die Umsetzung der im Studium gelernten Strukturen und Modelle eingestellt haben.
Gibt es auch etwas, das Ihnen besonders gefallen hat im Fernstudium?
Oh, in der Tat gab es da einige „Glücksmomente“ für mich. Zunächst wurde ich unglaublich freundlich beraten und Herr Kohlhund und Professorin Christophori haben mir sämtliche Wege aufgezeigt, die die HFH einem thematischen Außenseiter wie mir ermöglichen konnte. Besonders Herr Kohlhund hat mich hier maßgeblich lösungsorientiert unterstützt.
Die unterschiedlichen Themen und die zahlreichen Studienbriefe waren entweder sehr erhellend und/oder thematisch spannend. Auf jeden Fall waren sie eine große Hilfe beim Nacharbeiten der Themen. Auch die Möglichkeit, Wahlfächer zu belegen, fand ich sehr gut.
Last not least hat sich eine kleine Gruppe im Studienzentrum Nürnberg gefunden, mit der ich auch nach dem Studium immer wieder einmal Kontakt habe. Das ist ein schönes „Nebenprodukt“ des Studiums an der HFH.

Das ist schön! Wieso haben Sie denn eigentlich die HFH für Ihr Studium gewählt? Wie kamen Sie zur HFH?
Die HFH hatte zu dem Zeitpunkt eine Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Zu der Zeit finanzierte ich meine Studien durch einen Teilzeitjob beim BRK und so erfuhr ich vom Angebot des Studiums zum M.A. Berufspädagogik Gesundheit und Pflege. „Gesundheit“ machte mich neugierig und so recherchierte ich, ob der „Health & Performance“ Aspekt der Dance Science nicht mit den Inhalten des M.A. kompatibel wäre.
Die Tatsache, dass es sich um ein Fernstudium handelte, war dann im Grunde der ausschlaggebende Punkt für mich, das Studium an der HFH zu wählen. Die dadurch gewonnene Freiheit verhalf mir, berufsbegleitend studieren zu können.
Außerdem machte die HFH einen sympathischen Eindruck auf mich, das Programm sprach mich an und sie war zudem offen, einen Paradiesvogel wie mich im Bereich der Berufspädagogik auszubilden.
Welche Ratschläge würden Sie anderen geben, die ein Fernstudium in Betracht ziehen?
Oh, eine schwierige Frage! Wer im Fernstudium studieren möchte, sollte sich drei Fragen stellen:
- Habe ich ausreichend Selbstdisziplin, um mich
- selbst zu organisieren?
- auch in schwierigen Zeiten selbst zu motivieren?
- bis zum Ende „durchzubeißen“?
- Was will ich damit anfangen?
- Für wen mache ich das?
- Wenn ich mein Wissen für mich erweitern will und mich das Thema interessiert, steht dem Studium gar nichts im Wege.
- Wenn ich es für jemand anderes mache, dann besser nicht studieren!
Aktuell arbeiten Sie an Ihrer Promotion – das wäre dann ihr vierter akademischer Abschluss. Sie haben da offenbar eine Leidenschaft! Wie planen Sie, Ihre akademischen Interessen und Ihre berufliche Tätigkeit in Zukunft zu verbinden?
Die Studien und insbesondere die Dissertation haben mein Wissen rund um pädagogisch-didaktische Strukturen, Modelle und Konzepte enorm vertieft. Die Quintessenz wird in ein stark überarbeitetes Dance Teacher‘s Certificate einfließen, das ich voraussichtlich in unterschiedlichen Sprachen anbieten werde.
Schon immer war es mein Bestreben, Wissen möglichst vielen Interessierten zugänglich zu machen, um die Qualität des Lehrberufs im Tanz zu verbessern und somit zu einer weiteren Professionalisierung des Berufsstandes beizutragen. Mir ist die Verantwortung als Multiplikator sehr bewusst und deshalb möchte ich mein Wissen entsprechend fundiert weitergeben. So werden weitere Artikel- und Buch-Publikationen sowie diverse Seminare folgen. Die Promotion wird hierbei sicher eine hilfreiche Unterstützung in der (internationalen) Werbung sein.
Durch die drei Master-Studiengänge und die Promotion sind unglaublich viele Themen zutage getreten, die in meinem Metier noch nicht oder nur unzulänglich erforscht wurden, sodass hier ganz leicht eine eigene Professur möglich wäre. Allein es fehlt (noch) am entsprechend passenden Lehrstuhl. Doch wie heißt es so schön: Träume sind dazu da, sie Wirklichkeit werden zu lassen. Oder: träume nicht dein Leben – lebe deine Träume!
Ein schöner Abschlusssatz! Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre Zukunft und drücken Ihnen die Daumen für Ihre Promotion! Vielen Dank für Ihre Zeit!
Ich danke Ihnen! Und ich möchte abschließend gern noch fünf Personen, deren Persönlichkeit und Unterricht mich auch nach dem Studium anhaltend prägen, besonders hervorheben.
- Hier sind zunächst das Ehepaar Frau Juniorprofessorin Dr. Veronika und Herr Dr. Sebastian Anselmann zu erwähnen, die mit hellem Verstand, gepaart mit einer Prise trockenem Humor, die teils trockenen Inhalte exzellent vermittelt haben – und auch nach dem Kurs für Fragen zur Verfügung standen.
- Frau Dr. Iris Kircher, die sich stark in meine tanzbezogenen Belange eingearbeitet hat und stets sehr gute Ideen für weitere, aus Tanzsicht eher unübliche, Informationsquellen parat hatte.
- Herrn Prof. Dr. Frank Wießner durfte ich als einen der strukturiertesten, bestvorbereitesten Dozenten kennenlernen, die ich jemals in meinen drei Studiengängen erleben durfte. Dazu verfügt er über einen großartigen Humor, ist angenehm unaufgeregt und auch noch denkbar genial pragmatisch veranlagt. Seine Kurse und die Gespräche mit ihm habe ich wirklich sehr genossen.
- In Herrn Prof. Dr. phil. Marcus Mittenzwei habe ich dann auch noch den für mich wahrscheinlich besten Mentor für die Abschlussarbeit gefunden. Seinen Input darf ich nun auch bei der Erstellung meiner Dissertation weiterhin genießen.
Vielen Dank und alles Gute für Sie, Herr Mittag!
"FAQ" zur Masterarbeit

Sie haben unter dem Titel „Kompetenzorientiere Unterrichtsmethoden im Middle Eastern Dance in Bezug auf die Befriedigung basispsychologischer Bedürfnisse Lernender“ eine grundlegende tanztheoretische Arbeit mit innovativem Ansatz vorgelegt. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen und warum ist es Ihnen wichtig?
Die Wichtigkeit dieses Themas erschloss sich mir während des Studiums. In über 30 Jahren internationaler Tätigkeit als Tanzpädagoge ist mir – bis zum Zeitpunkt des Studiums – kein einziges Mal der Begriff „kompetenzorientierter Unterricht“ untergekommen. Von dessen Potenzial für Tanz mal ganz zu schweigen. Schnell wurde mir klar, dass durch die gezielte Ansprache und Förderung von Kompetenzen im Tanz, die es natürlich klar zu definieren gilt, die basispsychologischen Bedürfnisse Lernender ebenfalls eine Befriedigung erfahren können. Diese waren mir aus meinen Studiengängen der Dance Science (Sportwissenschaft für Tanzende) bereits sehr gut bekannt.
Inwieweit spielte bei Ihrer Arbeit auch Ihre selbst entwickelte Tanz-Kreation jomdance eine Rolle?
Während meiner eigenen Tanzausbildung lernte ich unterschiedliche Lehrmethoden und Unterrichtsstrukturen kennen, die zu einem nicht unerheblichen Teil auf denen der akademisierten Tanzarten beruhen. Aufgrund der durch mich adaptierten Umsetzung im jomdance-Unterricht führte dies zu einem in weiten Teilen neuen Aufbau von Tanzunterricht in den MED bei meinen Studierenden und wurde somit zum Multiplikator.
Insofern spielt jomdance natürlich auch eine Rolle in meiner Masterarbeit, die einen berufspädagogischen Blick auf Tanzunterricht wirft, den ich in der Form in meinen Recherchen zur Masterarbeit in der internationalen Literatur nicht finden konnte.
Sie verbinden in Ihrer Tanzakademie und im jomdance theoretische und praktische Erkenntnisse intensiv miteinander. Wie hat die – auch für das Fernstudium typische – Verschränkung von Praxis und Theorie Ihre Masterarbeit beeinflusst?
Die Kombination beider Aspekte, also die Befriedigung der basispsychologischen Bedürfnisse durch kompetenzorientierten Unterricht, erwies sich als äußerst effektiv, sodass die Forschungsfrage aufkam, ob dies auch bei anderen Lehrkräften der Fall ist, wenn sie bestimmte Faktoren im Unterricht ansprechen bzw. abdecken. Hier schließt sich der Kreis zu meiner Masterarbeit.
Aufgrund des äußerst komplexen Themas entschied ich mich für eine Mixed-Methods-Studie, die einerseits qualitativ auf Interviews von Lehrkraft-Pionieren im Bereich MED zurückgreift und andererseits eine quantitative Online-Befragung Tanzlehrender analysiert. Diese beiden Aspekte werden mit Ergebnissen aus der umfangreichen Literaturrecherche verglichen und in Bezug zu meinen beiden zuvor veröffentlichten Masterarbeiten gesetzt. Das Ergebnis befindet sich jetzt gerade im Druck. 😉
Und warum haben Sie ausgerechnet das Thema „Kompetenzorientierter Tanzunterricht“ für Ihre Masterarbeit gewählt?
Mein Ziel war es, interessierte Lehrkräfte auf die Potenziale kompetenzorientierten Unterrichts aufmerksam zu machen und dies evidenzbasiert zu begründen.
Das Berufsfeld der Tanzpädagogik ist nicht geschützt. Jede Person, die gerne Tanz unterrichten möchte, darf dies tun und sich Tanzpädagog:in nennen. Lediglich die akademisierten Tanzformen Ballett und Moderndance bieten staatliche Abschlüsse, die in einen Beruf münden. Dies ist bei sogenannten freien Tanzarten wie z. B. Jazz Dance, Afrikanischer oder eben Orientalischer Tanz nicht der Fall. Daraus resultiert, dass die Lehrkräfte weder auf eine einheitliche Ausbildung noch auf curriculare Vorgaben zurückgreifen können. Sie sind auf sich allein gestellt.
Zurzeit arbeiten Sie an Ihrer Promotion. Können Sie uns mehr über das Thema Ihrer Dissertation verraten und wie es sich aus Ihrer Masterarbeit entwickelt hat?
Die Masterarbeit endete mit der Erkenntnis, dass offenbar ein trianguläres reziprokes Zusammenspiel (trireZu-Modell) der Bedürfnispyramide von Maslow*, der Motivationstheorie von Deci und Ryan* sowie der Interaktion der Modelle TARGET* und PETTLEP* einen optimalen Nährboden für die Befriedigung basispsychologischer Bedürfnisse der Lernenden durch kompetenzorientierten Unterricht darstellen könnte, sofern hierbei eine Unterrichtsplanung nach IPERKA* zugrunde gelegt wird.
Genau dieses trireZu-Modell bildet nun die Basis meiner Dissertation. Hierzu werden die einzelnen Komponenten einer tiefergehenden Untersuchung unterzogen und auf den praktischen Prüfstand gestellt. Erneut wird die Thesis dreigeteilt sein und sich auf einen qualitativen Teil, eine quantitative Befragung sowie einen ausführlichen literaturbasierten Abschnitt aufbauen. Das Forschungsdesign bezieht sich auf die sogenannten freien Tanzarten und nimmt hier wiederum die MED als Hauptbeispiel.
*Maslow, A. H. (1978). Motivation und Persönlichkeit: Die Übersetzung besorgte Paul Kruntorad (2. erweiterte Auflage). Walter.
*Deci, E. L. & Ryan, R. M. (1993). Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. Zeitschrift für Pädagogik, 39(2), 223–238. urn:nbn:de:0111-pedocs-111739
*Epstein, J. L. (1987). TARGET: An Examination of Parallel School and Family Structures That Promote Student Motivation and Achievement. The Johns Hopkins University. https://files.eric.ed.gov/fulltext/ED291504.pdf
*Holmes, P. S. & Collins, D. J. (2001). The PETTLEP Approach to Motor Imagery: A Functional Equivalence Model for Sport Psychologists. Journal of Applied Sport Psychology, 13(1), 60–83. https://doi.org/10.1080/10413200109339004
*Gratzke, J. (2017). Methodensammlung für einen kompetenzorientierten Unterricht.
Das Interview führte unser:e Redakteur:in Mareike Bock.
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